Kapitel 21 Veränderung
VERÄNDERUNG
Wenn man Veränderung möchte, sucht man meist im Außen.
Doch du kannst nur in dir selbst beginnen.
Was bedeutet also der Weg zu mir?
Bedeutet es nur Selbstfindung?
Es bedeutete für mich erstmal Selbstreflexion.
Sich selbst den Spiegel vorhalten.
Das Spiegelbild deines eigenen Gesichtes ist tägliche Routine.
Anders ist es, den Blick nach innen zu richten. Ehrlich und ungeschönt.
Was sah ich also?
Ich sah ein Kind, klein und still in der Ecke hockend, das nie gelernt hat sich so anzunehmen, wie es ist.
Es hatte das Gefühl, dass es nicht so gut in die Welt passt, die rund herum war.
Es sehnte sich nach Anerkennung, Freundschaft und Liebe.
Doch es war im Schatten der anderen fast unsichtbar.
Was ihm fehlte war Selbstvertrauen und Mut.
Doch damals wusste es noch nicht, wie man diese Eigenschaften zum Vorschein bringen kann.
Es versuchte sich an seine Umgebung anzupassen, um irgendwie dazu zugehören.
Wir tun aus den verschiedensten Gründen Dinge, von denen wir glauben, sie seien hilfreich.
Zumindest in dem ersten Moment. Die Wahrheit offenbart sich leider erst später.
Ich war damals sehr schüchtern. Man könnte sogar sagen verklemmt.
Dazu, im Verhältnis zu meinen Mitschülern, ein "Spätentwickler".
Und wir alle wissen ja wie Kinder sind, wenn sie noch nicht verstehen wie verletzend Worte und Taten für andere sein können.
Sie hänseln alle, die vermeintlich anders sind.. Heute heißt das ja Mobbing.
Als ich in das Alter kam, indem man auf Disco`s ging wollte ich aber nicht mehr die Verklemmte, Schüchterne sein.
Ich dachte, wenn ich etwas "lockerer" bin, ist die Außenwelt auch lockerer zu mir.
Also begannen unsere Abende mit etwas Vorglühen, bevor wir los zogen.
Damals war der Trugschluss, dass Alkohol dazu dient alle Hemmungen zu verlieren, weit verbreitet.
Doch was anfänglich ganz lustig war, brachte neue Probleme mit sich.
Schnell gewöhnte ich mich an diese Art der Auflockerung.
Die darauf folgenden Jahre vergingen mit viel Streit und Problemen aber nach wie vor mit wenig Mut und wenig Selbstvertrauen.
Es hatte sich rein gar nichts verändert, außer dass ich immer noch versuchte mir das Leben durch Alkohol zu erleichtern.
Meine Beziehungen waren nicht von langer Dauer, die Freundschaften nur oberflächlich.
Ich mochte weder mich, noch das Leben das ich führte.
Nun ist es ja ein Spiegel, den wir uns vorhalten.
Und ein Spiegel kann nur zeigen was er sieht.
Und was er sieht, sehen auch die anderen.
Wie konnte ich also erwarten dass mich jemand wirklich mag, wenn ich es selbst nicht kann !?
Würde ich gerne mit mir befreundet sein?
Wäre ich für mich ein Partner, den ich lieben könnte?
Die Antworten darauf trafen mich tief.
Aber was sich im Spiegel zeigte war nicht meine Seele.
Es war der Mensch, den mangelndes Selbstvertrauen, wenig Mut und viel Alkohol aus mir gemacht haben.
Und anstatt etwas zu ändern, versank ich in Selbstmitleid, bei allem, was mir widerfahren ist.
Aber das geschah alles, lange bevor ich mich auf meinen Weg machte.
Ich musste mich nur wieder daran erinnern...
Also knüpfte ich da an, wo ich anfing meinen Weg weiter zu gehen..
Es war ein Abend, wie jeder andere.
Mein Seelenpartner war nun schon vor 8 Monaten in die geistige Welt vorausgegangen.
Ich wusste - er war noch immer in einer anderen Form da. Daran hatte ich keinen Zweifel.
Aber warum gelang es mir dann nicht ihn wahrzunehmen?
Mit diesen Gedanken schlief ich ein.
Am nächsten Morgen öffnete ich die Augen.
Etwas in mir fühlte sich nicht mehr so an, wie zuvor.
In mir war plötzlich alles ganz klar.
Es war wie ein Erwachen.
Nicht nur das morgendliche Aufwachen aus der Nacht, sondern ein Erwachen von etwas tief verborgenen, dass ich noch nicht richtig zuordnen konnte.
Ich wusste nur, ich werde mich verändern.
Nicht morgen, nicht nächste Woche,
JETZT!
Es war der 22.10.2025,
Ab diesen Morgen hörte ich auf, auch nur einen Schluck Alkohol zu trinken.
Ich fing an mich mit Meditationen und Stille zu beschäftigen.
Ich verband mich wieder täglich mit der Natur.
Dadurch lernte ich noch mehr jedes Lebewesen, jede Pflanze, jeden Atemzug in frischer Luft und jeden Regentropfen auf meiner Haut wertzuschätzen und es als das zu erkennen, was es ist.
Leben in reiner Verbindung.
Ich traf an diesem Morgen nicht nur eine Entscheidung, ich veränderte alles,
Es war der erste Tag, an dem ich wirklich zu mir stand.
Zu dem, wie ich war.
Zu dem, was ich wollte.
Und zu dem, was ich nicht mehr wollte.
Es war wie ein Befreiungsschlag.
Als hätte sich meine Seele erinnert wofür sie hier ist.
Ich entschied mich an diesem Tag zum ersten Mal nach all den Jahren für mich.
Denn mir wurde klar, solange Alkohol in meinem Leben eine Rolle spielt kann ich nicht authentisch sein.
Wie soll ich mich mit allem verbinden, wenn ich nicht ich selbst war.
Ich wollte wieder ich sein, in meiner reinsten Form.
Nicht gedämpft, nicht betäubt, nicht jemand anderes.
Nur ich.
Die Entscheidung kam nicht von außen.
Nicht durch einen Arzt, der mir sagte dass ich mich zu Grunde richte.
Nicht durch mein Umfeld, dass mich dazu zwang.
Sie kam aus meinem Herzen.
Deshalb hatte sie Kraft.
Die Kraft es zu beginnen und es durchzuziehen.
Ich bin seit diesem Tag "trocken".
Authentizität ist ein faszinierendes Wort.
Doch sie wahrhaftig zu leben ist gar nicht so einfach, in der Jetztzeit.
Denn es bedeutet auch sich abzugrenzen.
Das passiert unweigerlich, wenn wir wieder anfangen zu uns selbst zu stehen.
Wenn wir die Masken fallen lassen.
Wenn wir nicht mehr alles tun, um rein zu passen. Sondern unsere eigene Form annehmen und zulassen dass wir sein dürfen wie wir sind.
Es werden sich ein paar Menschen abwenden.
Die, die ihre Masken nicht absetzen wollen. Noch nicht.
Aber es wird wenige geben die auch ihr wahres Selbst erkennen, und sie werden sich finden.
Wer sein Licht nicht mehr dimmt kann leuchten.
Und wenn tausend kleine Lichter leuchten wird es heller, und bald zu einem Lichtermeer.
Strahlt, nur indem ihr seid was ihr schon immer ward.
Und findet euch.
Hier geht es bald weiter...👉
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